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Der lange Weg nach Machu Picchu

 

Machu Picchu, die magische alte Stadt in den Anden. 

 

Mein Weg dorthin hat mich einiges gelehrt. Vor allem aber eins: Meine Grenzen zu kennen und „to deal with it“. 

 

Alles begann ganz easy in Lima. Die Hauptstadt Perus ist bisher nicht touristisch überlaufen. Dafür aber voller freundlicher Menschen und ein Geheimtipp der Foodies. Mehr zu Lima findest Du hier.

Cusco

 

Von Lima aus gibt es verschiedene Land- oder Luftwege, aber alle werden Dich irgendwann nach Cusco führen.

Cusco war der Mittelpunkt des alten Inkareichs und liegt auf 3400 Meter Höhe.

Wenn Du direkt aus Lima kommst, wirst Du den Unterschied sofort merken. Die Luft fühlt sich viel dünner an.

Und Du führst Dich kurzatmig. Das Bedürfnis tief Luft zu holen ist groß, aber irgendwie kommt nie soviel in Deinen Lungen an, wie Du Dir wünschst.

Da Cusco in einem Talkessel liegt, stellen uns die vielen Treppen gleich von Anfang an auf eine harte Probe. Sieben Stufen mit Backpack, durchschnaufen, die nächsten Stufen, wieder anhalten.

 

 

Der Besitzer unseres B&B versorgt uns als erstes mit Coca-Tee und rät uns dazu es sehr langsam angehen zu lassen. Das ist eigentlich gar nicht meins. Gerade den ersten Tag an einem neuen Ort möchte ich am liebsten alles sofort erkunden. Aber hier geht es kaum anders als langsam und gemächlich. Schnell stellen sich auch die ersten Anzeichen von Kopfschmerzen ein. Trinken, trinken, trinken hilft dagegen. Und früh ins Bett gehen. Im Notfall gibt es auch noch Mittel hier in der Apotheke, die zum größten Teil aus Aspirin bestehen.

Wir sehen natürlich dennoch ein wenig von Cusco. Besonders faszinierend ist wie sich alt und neu hier vermischen. Alte schwere Steinmauern, bunte Märkte,  Museen, traditionelle Kleidung. Und in der Mitte, wie in den meisten lateinamerikanischen Städten, die Plaza de Armas mit einem verheißungsvollen Regenbogen. 

 

Inka-Trail

 

Schon die Nacht bevor der Trek beginnt, ist für mich eine Tortour. Mich plagen Magenkrämpfe und Bauchschmerzen wie ich sie seit meiner Kindheit nicht mehr hatte. Im Bus neben mir übergibt sich eine Frau. Später muss sie umkehren und ins Krankenhaus. 

Der Weg beginnt so wie gewisse Phasen im Leben. Immer ein Schritt nach dem anderen.

Aber mit diesen kleinen Schritten kehrt auch eine leichte Ruhe ein. 

 

Ich habe schon einmal ausführlicher über den Inka-Trail geschrieben, daher gehe ich nicht auf alle Details ein.

 

Tag 1 ist am Anfang geprägt von der Frage des Umkehrens (Nein, kommt nicht in Frage) und der Konzentration auf ein Ziel: Ankommen. 

Und dazwischen versuche ich Ordnung in meine Gedanken zu bringen. Du denkst oft, dass Du über viele Dinge hinweg bist. Aber in Wirklichkeit dauert das sehr lange. Mittlerweile glaube ich, dass so etwas in Schichten abgetragen wird. Die nächste Schicht ist erst dran, wenn Du dazu bereit bist. 

 

An Tag 2 erinnere ich mich gern, obwohl es körperlich der härteste Tag ist. Hoch auf 4200 Meter, runter ins Tal und nochmal hoch auf 4000 Meter. Ein Schritt nach dem anderen. Diesmal aus rein sportlichen Gründen. Und diese Aussicht. Der Wahnsinn! 

 

Völlig an meine Grenzen sollte mich jedoch Tag 3 bringen. 

Dieser Tag ist der Grund, weshalb ich einerseits diese Tour unbedingt noch einmal machen möchte. Anderseits scheue ich deswegen aktuell jede mehrtägige Trekking-Tour. Denn wenn Du heulend und kotzend am Wegesrand sitzt, dann wünschst Du Dir nur eins: Ein Bett. Warm und kuschelig. Und ein Bad. Ein sauberes, eigenes Bad. 

Selten hat sich ein Weg so lang und beschwerlich, geradezu endlos, angefühlt wie an diesem Tag.

Und doch ist erstaunlich, wie stark man selbst sein kann, wenn es sein muss. 

Nach vielen Stunden falle ich irgendwann in mein Zelt. Schlafen, einfach nur schlafen.

 

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass Schlaf unglaublich heilend sein kann?

Oder war es doch der Weg und seine emotionale Reinigung?

Machu Picchu

 

Fest steht: Tag 4 startet zwar um 3.30h, aber ich fühle mich wie ein neuer Mensch.

Ich will nicht sagen, dass ich den Weg zum Sonnentor hoch geflogen bin, aber plötzlich fühlt sich alles viel leichter an. 

Kaum ist die Sonne aufgegangen, leuchtet Machu Picchu in saftigem Grün. 

Um diese Zeit ist es noch menschenleer und ich glaube, dass vor allem dann die Magie zu spüren ist. 

Dieser Ort ist faszinierend.

Wasserbecken zur Sternbeobachtung.

Felsen, die wie die dahinterliegende Bergkette geformt sind.

Stille zwischen uralten Steinwänden.

Und natürlich die Lamas, die sich vor allem für unseren Proviant interessieren.

 

 

Ich bin wirklich glücklich es bis hierhin geschafft zu haben. 

Und selten war ich so dankbar für ein Bett und eine heiße Dusche.

 

Im Fazit möchte ich diese Erfahrung nicht missen. Weder den Schmerz noch das Gefühl der Heilung.

Denn jede Erfahrung macht uns stärker und bringt uns ein wenig mehr Wissen. Über die Welt, aber vor allem über uns selbst. 

 

Immer ein Schritt nach dem anderen... 

 

Dieser Artikel ist entstanden im Rahmen des Projekts 360: Um die Welt, zu Dir selbst. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Tobias (Montag, 27 November 2017 09:49)

    Moin,

    absolut beeindruckend, was Du von Deiner Reise berichtest und wie anstrengend das doch ist. Aber: den Bildern nach zu urteilen, hat es sich wirklich gelohnt. Klasse Fotos!

    Beste Grüße

    Tobias