· 

Inka-Trail

 

Magisch soll er sein -  der Sonnenaufgang über Machu Picchu.

 

Erst recht, wenn man sich den Anblick auf die harte Tour verdient hat. (Ja, man kann auch mit dem Zug/Bus dorthin gelangen).

Der Inka-Trail, der nach Machu Picchu führt, begleitet Dich vier Tage durch die alten Inka-Straßen.

Über zwei Viertausender und unzählige Stufen, die sich über Höhen und Tiefen winden.

     

Der Sonnenaufgang ist übrigens wirklich magisch. Doch bis zu diesem Moment sind es harte, aber unvergessliche 45 Kilometer.

 

Tag 1 - 14km - Der Start

Um 4.30h werden wir aus unserem Hotel in Cusco abgeholt. Seit ich um 0.30h mit Magenkrämpfen aufgewacht bin, konnte ich sowieso nicht mehr schlafen. Auf der zweistündigen Busfahrt geht es mir elend, aber umkehren ist keine Option. Wir ziehen das durch!

 

Der Startposten ist schnell passiert. Insgesamt dürfen pro Tag nur 500 Personen den Trail laufen (wovon fast zwei Drittel Guides und Träger sind). Daher kann man diesen Trek auch nur organisiert buchen. Insgesamt sind wir acht internationale Wanderer (USA, Schweden, Deutschland), vierzehn Porter, ein Chef-Koch und Wilson, unser Guide. Obwohl die Porter 20 Kilo tragen und wir nur unsere Tagesrucksäcke, überholen sie uns jeden Tag spielend. Und das zum Teil in Sandalen. Respekt!

 

Die ersten Kilometer passen genau zur Beschreibung unserer Agentur: Moderat. Wir wandern bei bestem Wetter ein paar einfache Kilometer parallel zum Urubamba River entlang. Es wird steiler. Und es geht fast immer nur bergauf. Vorbei an kleinen Siedlungen mit lustigen Ziegen und ihren wilden Besitzern. Trinken, trinken, trinken lautet das Zauberwort. Dumm nur, wenn man wie ich bei jedem Schluck Wasser Magenkrämpfe bekommt. 

 

Dabei ist die Umgebung wunderschön. Weite Felder, schneebedeckte Gipfel und Ausblicke auf Inka-Stätten, die den Weg nach Machu Picchu säumen. 

Wilsons Erklärungen an den Inka-Stätten nehmen wir nicht nur wegen des Inhalts dankbar an. Sie bedeuten, dass man sich ins Gras fallen lassen kann. Einfach ein paar Minuten sitzen!!!!

 

Als wir nach mehreren Stunden Wanderung an unserer Campsite ankommen, sind unsere Zelte schon aufgebaut. Unser Porter-Team begrüßt uns mit lautem Applaus, was eine total motivierende Geste ist. 

Nie hat Kamillen-Tee so gut geschmeckt. Und was unser Koch hier zaubert, ist schon beeindruckend. Auf so engem Raum mit so begrenzten Mitteln gibt es jedes Mal mindestens fünf verschiedene Speisen plus Suppe und Nachtisch. 

In dieser Nacht bewahrheitet sich, was uns versprochen wurde: "You will sleep like a Alpaca-Baby!" 

 

Tag 2 - 16km- Gipfelstürmer

 

Dass dies der körperlich härteste Tag würde, war von Anfang an klar. Denn erstmal geht es über 4 Stunden steil bergauf.

Dann 1,5 Stunden runter und dann wieder 2 Stunden den Berg rauf. 

In Lima hatten wir uns mit Ana Maria (die Besitzerin unseres Hotels) darüber unterhalten, dass die Inkas noch Respekt vor der Natur hatten. Während heute Wege einfach in den Fels gesprengt werden, fahren die alten Inkawege an den Felsen entlang - ohne die Natur zu verändern.  

Zwischendurch erwische ich mich bei dem Gedanken „Warum hat ihnen niemand Dynamit gegeben?“ 

 

Es wird kälter, die Vegetation wird deutlich dünner - genauso wie auch die Luft zum Atmen. Jeder Schritt aufwärts stellt eine echte Anstrengung dar.

Und dann, wenn Du alle Deine Schimpfwörter aufgebraucht hat und Du nichts mehr denken kannst als „Stufe, Stufe, Atmen, Stufe, Stufe, Atmen“, dann kommst Du oben an. 

Wir haben den „Dead Woman´s Pass“ erreicht - auf 4.215 m Höhe.

 

Der Blick auf die Szene von oben ist atemberaubend schön. In ganz feinen Umrissen können wir den Weg erkennen, den wir gegangen sind - angesichts der Strecke und der zurückgelegten Höhenmeter mischen sich Euphorie und Stolz in die Erschöpfung.

 

Nach einem Lunch in der Talsohle (bei dem fast alle auf den Bänken einnicken), geht es wieder bergauf; noch mal hoch auf knapp über 4000 Meter. Aber wenn man weiß, dass man das Schlimmste schon hinter sich hat, läuft es sich deutlich einfacher.

Bevor es ins Camp geht, liegt mit Sayacmarca noch einen beeindruckende Inka-Site auf dem Weg. 

Wir haben mittlerweile die Grenze zum subtropischen Gebiet überquert. Es wird etwas wärmer, und der Dschungel beginnt. Und so finden sich auch hier diese tiefliegenden, schnell ziehenden Wolken, die der Ruine eine mystische Kulisse geben. 

 

Als es Nacht wird, eröffnet sich ein beeindruckender Sternenhimmel. Keine Lichtverschmutzung weit und breit, nur ein Meer an Sternen und Stille. 

 

 

Tag 3 - 10km - Durchhalten

Zum Beginn des Weges sagte uns Wilson, dass wir hier einen spirituellen Weg gehen und manche hier Menschen aus ihrer Vergangenheit begegnen. Vielleicht ist es das. Ich werde überschwemmt von Erinnerungen an meinen Vater, den ich seit fast 20 Jahren nicht gesehen habe. Was dazu führt, dass ich mich mehrfach am Wegesrand übergebe und beim Gehen ziemlich viele Tränen vergieße.

Ich bin dankbar für Björn, der mich begleitet.  Und für eine sehr liebe Gruppe und einen geduldigen Guide, denn zu dieser Zeit hatte ich keine Worte dafür, was mit mir los war. 

 

Wenn ich mir im Nachgang, die Bilder der wunderbaren Natur anschaue, durch die wir gegangen sind, glaube ich, dass so viel majestätische Umgebung tatsächliche eine Kraft zur Heilung haben kann. 

 

(Fast so magisch wie die Umgebung war übrigens die kurze lauwarme Dusche am Nachmittag für die unser Team jede Menge Wasser abkochen musste).

 

Tag 4 - 5km - Ankommen

 

3.30h Wake-up-Call mit einer Tasse Coca-Tee. 

 

Heute ist der letzte Tag unseres Trekkings. Wir werden Machu Picchu sehen!

Mit dem Gedanken an das wartende Hotelzimmer mit der langen heißen Dusche und vielleicht auch, weil aller emotionaler Dreck hinausgespült wurde, fühle ich mich wie neugeboren. Voller Energie. 

 

Endlich geht es los. Der Weg ist erneut hinreißend schön und ich bin schrecklich aufgeregt. Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Treppe, die man "Gringo-Killer" nennt. Die meisten nehmen sie auf allen Vieren, so steil ist sie. 

 

Und dann ist es da: Das Sonnentor.

Machu Picchu liegt noch im Schatten - doch bald werden die Sonnenstrahlen die ganze Anlage erhellen. Wir haben es geschafft!!! Wir verharren hier für 20 Minuten und genießen den Ausblick auf das beeindruckende, fast menschenleere Bauwerk. 

 

Je näher wir kommen, desto schöner wird Machu Picchu,. Auch weil die Sonne immer mehr Licht auf die Ruinen fallen lässt. Wir haben unglaubliches Glück mit dem Wetter. Leuchtendes Grün in Kontrast zu altem Stein. 

Jahrhunderte alte Zeugen einer Kultur, die wir nur noch erahnen können. 

Nur die Lamas, die hier grasen, kümmert das nicht. Sie interessieren sich mehr für unseren Proviant. 

 

 

Irgendwann nehmen wir den Bus nach Aguas Calientes und von dort geht es mit dem Zug zurück.

Hier wird uns noch mal aus einer anderen Perspektive klar, was für eine Strecke wir da gelaufen sind. 

Kann man darauf stolz sein? Ja, total! 

Ist es unvergesslich? Absolut!

 

Steht Machu Picchu auch auf Deiner Bucket-List?

 

Zahlen, Daten, Fakten

  • Diese 45 km sind kein Pappenstiel. Du solltest fit sein und Dich vorher mindestens zwei bis drei Tage an die Höhe gewöhnt haben. Und Deine Schuhe sollten eigelaufen sein. 
  • In Cusco gibt es Medikamente gegen Höhenkrankheit zu kaufen. 
  • Der Inka-Trail kann nur in einer organisierten Tour gelaufen werden. Alpaca-Expeditions können wir uneingeschränkt empfehlen. Sie kümmern sich auch um die gesamte Ausrüstung (außer der persönlichen Gegenstände). Und man merkt vor allem, dass sie sich auch gut um die Ausrüstung und Verpflegung ihrer eigenen Leute kümmern.
  • Für die Damen: Nimm Dir Trockenshampoo mit! (So vermeidest Du Fotos in Machu Picchu mit fettigen Haaren ;-))
  • Nie wird Dir eine heiße, lange Dusche so wunderbar vorkommen wie nach dem Trail. 

Was Dich noch interessieren könnte:

Kommentar schreiben

Kommentare: 10
  • #1

    Helmut (Sonntag, 16 Oktober 2016 17:49)

    Magische Bilder und tolle Beschreibungen, Kommentare von Tabitha. Kann ich leider wegen meiner Höhenangst nicht machen. Vielleicht mit dem Helikopter. Ohne gute Ausrüstung geht da garnichts. Wünsche euch noch grandiose Tage.

  • #2

    Bee (Montag, 17 Oktober 2016 09:41)

    Oho, Tabitha. Das ist ja eine Bezwingung, Hut ab für dein Durchhaltevermögen. Ich weiß genau, dass ich das nie geschafft hätte, auch mit gesunder Hüfte nicht. Es soll ja ein unbeschreibliches Gefühl sein, wen man es dann endlich am Ziel angekommen ist. Sehr schöne Eindrücke und Bilder von deinem Lima Trip :)

    Liebe Grüße, Bee

  • #3

    Markus (Montag, 17 Oktober 2016 14:22)

    Traumhafte Bilder, toller Bericht, muss ne einmalig schöne Tour gewesen sein... Bin wie so oft begeistert und bewundere Deine Reiselust... Hör bloß nicht auf mich mit Deinen Eindrücken zu verwöhnen ;-)

  • #4

    Christine (Freitag, 11 November 2016 10:45)

    Auch wenn ich gerne wandern gehe, stelle ich mir die Höhe schon schwierig vor. Ich habe schon bei wesentlich weniger Höhe (und dabei bin ich an den Alpen aufgewachsen...), wirklich das Gefühl gehabt nicht mehr genug Luft zu bekommen. Ich habe wirklich Respekt vor eurer Leistung!

  • #5

    Nord-Peru-Reisen (Montag, 14 November 2016 14:48)

    Ein toller Erfahrungsbericht. Ich könnte den Inka-Trail auch nicht wandern, ich glaube, ich würde es einfach nicht durchhalten ! Deswegen bewundere ich Deine Leistung ganz besonders. Und ja, Du darfst, sollst sogar sehr stolz darauf sein.
    Liebe Grüsse aus Nordperu,
    Martina

  • #6

    Stefan (Dienstag, 29 November 2016 09:41)

    Sehr schöner Beitrag :) Die Bilder sind der Wahnsinn! Ich plane nächstes Jahr einen vergleichbaren Ausflug mit meiner Freundin zu unternehmen. Wir suchen nach einem Ort der darauf wartet erkundet zu werden, der einem nicht nur einen schönen Ausblick sondern auch einiges an Tierwelt bietet (sehr gefallen hat uns da dein Artikel über die Galapagos Inseln). Gibt es da einen persönlichen Favoriten den du uns empfehlen kannst?

    Liebe Grüße
    Stefan

  • #7

    Tabitha (Sonntag, 15 Januar 2017 11:22)

    @Helmut: Vielleicht fangen wir erstmal im Harz an. Dein Sohn hat die Höhenangst ja auch fast besiegt;-)

    @Bee: Glaub mir, die Erinnerung ist wahrscheinlich besser als der Moment sich angefühlt hat. Es war wirklich ein Kraftakt!

    @Markus: Vielen Dank! Es gibt noch so viel zu sehen. Da geht der Stoff nicht aus...

  • #8

    Tabitha (Sonntag, 15 Januar 2017 11:26)

    @Christine: Dankeschön! Wahrscheinlich macht hier Vorbereitung ganz schön viel aus. und etwas Glück ist auch immer dabei.

    @nord-Peru-Reisen: Diese lieben Worte auch noch aus Peru! Bei Euch gibt es noch so viel mehr zu sehen. Wir möchten unbedingt nochmal wiederkommen.

    @Stefan: da habt Ihr ja was großartiges vor. Patagonien würde Euch bestimmt gefallen. Torres del Paine in Chile und die Halbinsel Valdes in Argentinien waren unsere absoluten Highlights dort.

  • #9

    Anna (Donnerstag, 16 März 2017 10:25)

    Wow! Toller Bericht und wunderschöne Bilder!

    Peru möchten wir auch gerne irgendwann noch mal sehen! Meine Schwiegereltern waren vor einem Jahr dort und mussten leider die Reise aus gesundheitlichen Gründen abbrechen, da ihnen die Höhe leider total zugesetzt hat.

    Liebe Grüße
    Anna

  • #10

    autarksein (Donnerstag, 25 Mai 2017 23:07)

    Wow, ich bin begeistert! Traumhafte Bilder in einer Gegend, wo ich unbedingt mal hin möchte. Diese Tour wäre genau das richtige für mich.... ich hoffe ich kann das irgendwann realisieren. Danke für den tollen Bericht und die wertvollen Hinweise! Liebe Grüße von Caro