Werten. Urteilen. Pauschalisieren. Muss das eigentlich immer sein?

Watch and judge...
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"Mit der Generation Y ist im Berufsleben nichts anzufangen. Die sind zu egoistisch."

"Was für Spießer; haben tatsächlich ihre ganze Verpflegung in Tupper dabei - sogar den Doppeleierbecher."

"Wenn sie meint, dass sie sich jetzt verwirklichen muss. Aber bitte dann später nicht über Altersarmut klagen."

 

Was ist das?

 

Werten. Pauschalisieren. Urteilen.

 

Lieblingshobbies der aufgeklärten Gesellschaft. Aber warum eigentlich?

 

Viele unserer Werte und Erfahrungen bekommen wir in den ersten drei bis sechs Lebensjahren vermittelt. Und damit prägen uns die Wertvorstellungen unserer Eltern massiv - ob wir es wollen oder nicht. Denn wir sind 100% abhängig und übernehmen in unserem Verhalten geradezu automatisch Verhaltensweisen, die wir für "Überlebensstrategien" halten.

- Das eine Kind lernt, dass es sich ein Donnerwetter erspart, wenn es besonders brav ist.

- Das andere Kind stellt fest, dass seine Leistungen die Eltern sehr stolz machen. 

- Und noch ein anderes wird laut und störrisch, um die Aufmerksamkeit der sonst so beschäftigten Erwachsenen auf sich zu ziehen.

 

Und viele dieser Verhaltenstrukturen werden später zu unseren inneren Antreibern: "Sei gefällig", "Sei perfekt" usw. 

 

Daneben fangen wir ab einem gewissen Punkt an unsere Umwelt zu bewerten. Und übernehmen dabei erstmal Bilder unserer Eltern. 

Beispiele? Der Onkel, der jetzt in zwei Jahren drei verschiedene Jobs hatte -> nicht so gut. Merke: Der Sohn von Müllers, der eine Klasse überspringen konnte -> sehr gut.

 

Außerdem hilft Werten sich besser zu fühlen. Meist besser als der andere, über den man - Kraft seiner Wassersuppe - in der Lage ist urteilen. 

 

Später, mit dem Erwachsenewerden, kommt das Ding mit der Gruppendynamik dazu. Die Gruppe stabilisiert und akzeptiert ihre Mitglieder. Du bist ok. Das gibt Sicherheit. Denk alleine mal an die vielen Klischeebilder auf deutschen Schulhöfen: Die Streber, die Emos, die Frühreifen, die Nerds...

 

Das Ego fühlt sich mit Werten besser, es kann sich erheben und ist nicht so verletzlich. Und beim Werten muss man nicht so viel hinterfragen. Zum Beispiel, ob jemand, der seine gutbezahlte Stellung gegen einen Job mit weniger Geld und mehr Freizeit tauscht, nicht vielleicht viel weiter ist als man selbst. 

 

Muss das sein?

 

Nicht zwingend.

Spannend wird es, wenn wir dem Ganzen mit Bewusstsein gegenübertreten. Uns fragen: Warum löst diese Person / die Handlungsweise dieses Urteil in mir aus?

Was gibt mir das? Hat es eigentlich überhaupt etwas mit mir zu tun? 

 

Der positive Nebeneffekt für einen selbst besteht darin, dass Du langsam, aber sicher einen Pfad betrittst, der Dich nicht mehr Getriebener der Meinungen und Urteile anderer sein lässt. Denn sie sind ja auch nur "geprägt" und fühlen sich besser, wenn sie urteilen können. 

 

An dem Pfad, den Du dann betrittst, steht ein Richtungsschild  ----> FREIHEIT

 

 

Nachtrag 03.06.2014: Irgendwie passt das Thema am Rande auch in Martins Blogparade zum Thema Selbstvertrauen. Diese findest Du hier.

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Kommentare: 2
  • #1

    Ingrid (Sonntag, 18 Mai 2014 14:44)

    Ich denke das vieles in der Natur des Menschen steckt, genau wie Vorurteile.
    Vorurteile bildet sich der Mensch nur deswegen um in wenigen Sekunden realisieren zu können "ohh der sieht gefärlich aus, schnell weg".
    Das ist halt die Natur des Menschen.

  • #2

    findsomebeautifulplaces (Sonntag, 18 Mai 2014 17:46)

    Liebe Ingrid,
    gefährlich und ungefährlich unterscheiden zu können, ist wirklich ein wichtiger Reflex.
    Ich würde mir nur wünschen, dass wir dem "anders" viel offener begegnen (nachdem wir festgestellt haben, dass es nicht lebensgefährlich ist).
    Viele Grüße,
    Tabitha