Was ist schon Perfekt? Patagonischer Charme in Puerto Natales 

 

Puerto Natales ist eine Kleinstadt im Süden von Chile und das Tor zum Nationalpark Torres del Paine. 

Die Häuser sind bunt und von der Witterung gezeichnet. Es gibt schon eine Art Zentrum, aber ohne die modernen Läden, die Professionalität  und den Rummel aus El Calafate. Dafür sind die Menschen unglaublich freundlich, und die Autos halten an, um Dich über die Straße zu lassen.

Nichts ist schick oder herausgeputzt, und genau das ist der Grund, warum ich mich hier so unendlich wohl fühle. Wenn man mit einem 45 Liter-Rucksack durch drei Klimazonen reist, muss man schon gut packen, um überall halbwegs anständig angezogen zu sein. In der Natur draussen ist das egal. Und hier in Puerto Natales ist das egal. 

 

Berge & Fjord bilden eine traumhafte Kulisse. Das Wetter ändert sich gefühlt alle paar Minuten. Dem dramatisch dunklen Himmel folgen Schäfchenwolken und dann ein Schauer. Oder Nebel. Wer eitel Sonnenschein möchte, fährt wahrscheinlich sowieso nicht nach Patagonien...

Irgendwie tickt die Uhr hier langsamer, weil den Ort so viel Ruhe und Unaufgeregtheit umgibt. Keine Präsentation, kein Unterhaltungsprogramm. Du bist hier, weil Du hier sein möchtest. 

 

 

Überall in der Stadt (auf jedem, wirklich jedem Straßenschild) findet man das Milodon wieder, ein urzeitliches Riesenfaultier, welches hier in der Nähe entdeckt wurde. Die "Höhle des Milodon" liegt auf dem Weg in den Torres del Paine, aber unserer Meinung nach, ist ein Besuch der riesigen, zugigen Höhle mit einer Skulptur des Milodon nicht unbedingt ein "Must-see". Aber man ist stolz auf das Milodon! 

 

Dann lieber die salzige Luft atmen und durch die Gassen von Puerto Natales schlendern. Irgendwann kommst Du so auch zu einem der buntesten Friedhöfe, die ich je gesehen habe; direkt am Wasser gelegen. Ein pinkes Grab - geschmückt mit leuchtenden Plastikblumen? Zwei Wochen zuvor waren wir in Buenos Aires auf dem Friedhof Recoletta gewesen (dort wo auch Evita begraben liegt). Kleine weiße, stilvolle Prachtbauten in Reihen. Irgendwie fühlt sich das hier echter an. 

 

 

Es ist sowieso immer ein besonders Gefühl, wenn Du aus stürmischer Kälte ins Warme trittst. Aber nicht nur deshalb haben uns die kleinen Restaurants mit Kamin, Holzbalken und warmer Atmosphäre überzeugt. Sie sind einfach urgemütlich, und man fühlt sich willkommen. Tipp: Creperia (herzhaft und süß) und das Cangrejo Rojo (für abends - fantastische Fischgerichte).

Auf soviel Charme zum Schluß einen Pisco Sour!

Fortbewegungsmittel

 

Von El Calafate (Argentinien) fährt vom örtlichen Busbahnhof morgens ein Bus in ca. fünf Stunden nach Puerto Natales.

Die Fahrt geht durch die patagonische Landschaft und wird nur unterbrochen von den Grenzkontrollen (in wirklich süßen, kleinen Grenzstationen). Auf beiden Seiten heißt es: Alle Aussteigen, Pässe stempeln und Gepäck kontrollieren lassen. 

Achtung: Kein Obst oder sonstiges mitnehmen! 

 

In Puerto Natales haben wir im Pire Mapu B&B gewohnt, dessen unglaublich herzliche Besitzer uns geholfen haben, unseren Mietwagen auch an einem Feiertag doch noch zu bekommen. 

Mit diesem ging es dann los in einen der schönsten Nationalparks der Welt: Torres del Paine!!!

 


 

Vielleicht ist es mit Orten wie mit Menschen. Gerade das nicht "Perfekte", gibt einem das Gefühl etwas oder jemanden besser "greifen" zu können. Und gibt einem die Freiheit, ebenfalls das "gefallen/passen/anpassen-wollen" sein zu lassen. 

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Sabienes (Sonntag, 07 Februar 2016 21:45)

    Ich bin gerade ganz von dem Licht fasziniert und es erinnert mich ein kleines bisschen an Schottland, wobei es dort nicht so weitläufig ist.
    LG Sabienes

  • #2

    Paleica (Montag, 08 Februar 2016 12:21)

    wow, der bunte friedhof! und das landschaftspanorama. einfach wunderschön!!

  • #3

    Christine (Montag, 08 Februar 2016 15:44)

    Das letzte Foto... wow! Was für eine Landschaft. So was finde ich total faszinierend. Und grad solche Landschaften mag ich total gern. Wenn man meilenweit keine Menschenseele trifft...

    Und der Friedhof ist mal was anderes. So bunt würde den in Europa keiner anlegen...

    Dankeschön für deine lieben Worte zu meinen Fotos!
    Menschen zu fotografieren ist auch einfach Übungssache. Und es hilft natürlich auch, wenn man ein professionelles Model vor der Kamera hat, die hauptberuflich modelt und nichts anders tut. Das sind dann schon tolle Frauen, die es einem leicht machen. ;)

  • #4

    Markus (Montag, 08 Februar 2016 17:54)

    Faszinierend und wunderschön! Reiseeindrücke die vielfältiger nicht sein können.... Hach ja, das Fernweh... ;-)

  • #5

    Tabitha (Montag, 08 Februar 2016 19:38)

    @Sabinies: Ich war nur einmal kurz in Schottland, aber ich glaube, ich weiß, was Du meinst: Diese raue Schönheit und dieses Stahlen, das sich durch die Wolken bricht.

    @Paleica: Der Friedhof hatte es mir auch total angetan. Nach der hintersten Mauer beginnt sofort das Wasser und es gab noch viel mehr Türkis als man auf diesem Foto sieht.

  • #6

    Tabitha (Montag, 08 Februar 2016 19:43)

    @Christine: Oft geht es mir so: Je weniger Menschenseelen man trifft, desto mehr kommt man zur Ruhe. Dafür ist Patagonien ideal. Deine Bilder waren so schön; irgendwie so schmeichelhaft und perfekt "in Szene setzend"

    @Markus: Das Fernweh wird mit jedem Artikel voller Erinnerungen tatsächlich erstmal schlimmer. Und es gibt noch sooo viel zu sehen...

  • #7

    Bee (Montag, 08 Februar 2016 20:49)

    Manchmal müssen es eben nicht die Touristen-Hochburgen sein. An solchen Plätzen bzw Orten trifft man das Urtümliche, so lernt man das Land richtig kennen. und ja, auch mich erinnern die Bilder teils an Schottland.

    So schön, Tabitha. Wie seid ihr auf den Ort gekommen?

    Liebe Grüße, Bee