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Pushkar - Von falschen Gurus und bockigen Kamelen

 

Pushkar liegt in Rajasthan und gilt für die Hindus als heiliger Ort. Wenn ich jetzt an diesen Ort zurückdenke, muss ich grinsen. Auch über meine eigene Naivität. Aber wie heißt es so schön: Erfahrung macht klug. 

Ich wollte so gern in einem heiligen Gewässer badende Menschen sehen, und da Varanasi und der Ganges nicht auf der kurzen Route lagen, bot sich Pushkar geradezu an. Und natürlich sollte es dann eine Unterkunft direkt am See sein, um gerade morgens das Treiben auf sich wirken lassen zu können. Gut, irgendwie hatte ich mir nicht das überhitzte Zimmer mit dem vergitterten Fenster und der Schlauchdusche darunter vorgestellt. Aber von der Terrasse hatte man wirklich einen schönen Blick auf den See, und wir schliefen bei über den See schallenden Meditationsgesängen ein. 

Eine Stadtführung mit ungeplantem Ausgang

 

Unser Fahrer hatte in Pushkar einen "guten Freund", der sich angeboten hatte, uns ein wenig die Stadt zu zeigen. Es wurde eine kurze Führung. Zunächst besuchten wir noch einen Tempel (inkl. kostenpflichtiger Verwahrung unserer Schuhe in einem Geschäft gegenüber). Dann führte er uns an den Ghats entlang. Diese Badetreppen führen in den See, wo sich die Gläubigen von Sünden waschen können. Überall an den Straßenständen können Blumen und sonstige Opfergaben hierfür gekauft werden.

Und jede Menge Brahmanen, Gurus und Priester stehen in den Straßen, um wirklich jeden Touristen anzusprechen. An manchen Stellen kommst Du kaum einen Meter weiter, ohne angesprochen zu werden. Wir wähnten uns mit unserem Führer in Sicherheit. 

 

Womit wir (in völliger Ahnungslosigkeit) nicht gerechnet hatten, war, dass er uns bei der nächstmöglichen Gelegenheit an eine Gruppe mehr oder minder echter Brahmanen "abgab". Und nun erlebten wir in rasender Geschwindigkeit tausendfach erprobte Vertriebsmaschinerie. Separieren - besprechen - Preise verhandeln. 

Während Björns Besprecher wenigstens ein weißes Gewand und einen beachtlichen Turban trug, hatte meiner eine speckige Jeans an und sah einfach aus, wie ich mir einen indischen Handyverkäufer vorstellte. Mit der höflichen Beantwortung der Frage wie viele Familienangehörige man hatte, war der erste Schritt getan. Danach habe ich eigentlich kaum noch ein Wort verstanden (im Nachgang wurde klar: es wurden Segen gesprochen) bis zu dem Zeitpunkt, in dem es darum ging, den Segen für jedes Familienmitglied zu bezahlen. Nun ja, dieses Abenteuer hat zusammen uns ca. 30 EUR gekostet (was hier ziemlich viel Geld ist).

Dafür durften wir noch eine Runde Blumen in den See werfen und bekamen einen Punkt auf die Stirn.

Aber: Mit Punkt auf der Stirn spricht Dich auch niemand mehr an und Du kannst endlich in Ruhe durch die Straßen um den See schlendern.  

 

Kunterbunte Ein-und Aussichten

Durch die Markstraßen zu schlendern macht wirklich Spaß, und es gibt wohl kaum schönere Orte um die Farbaufnahmefähigkeit der Kamera auf ihre Grenzen zu testen. Die bunten Saris, Gemüsestände , Männer mit pinken Turbanen, die Säbel bestaunen und dazwischen immer wieder halb nackte Badende auf dem Weg zum See. 

In Pushkar sind Alkohol und Drogen strengstens untersagt. Das erste, was Du in den kleinen Restaurants angeboten bekommst, ist "holy water" - Bier in einer Tasse. Und auf fast jeder Karte kannst Du Magic Lassi finden. Soviel zu Theorie und Praxis. 

 

Im Laughing Buddha hätte ich den Rest des Tages verbringen können, um den Trubel der Straßen zu beobachten und dabei entspannt durchzuatmen. Aber das nächste Abenteuer wartete schon...

Warum ich mir vornahm nie wieder auf einem Kamel zu reiten

Als ich 12 war bin ich mit meinen Eltern schon einmal in Tunesien Kamel geritten (und fast heruntergefallen). 

Warum ich mich wieder überreden ließ,  weiß ich nicht mehr. Fest steht: Vom ersten Moment an hatte ich wieder das Gefühl gleich herunterzufallen. Um das Gleichgewicht zu halten, war eine derartige Körperspannung erforderlich, dass ich kaum etwas von der Wüste mitbekam. Am Rastplatz angekommen und abgestiegen, sah sich der Führer den Sattel an und stellte fest, dass einer der beiden Gurte gar nicht geschlossen gewesen war. Das Kamel wälzte sich hingegen mit seinen Kamelkumpels wonnig im Sand. Es wurde schnell klar, was Kamele lieber machen als Amateure zu transportieren. 

Der Rückweg mit geschlossenem Sattelgurt war durchaus erträglicher, aber der entstandene Muskelkater sollte mich noch die nächsten Tage begleiten. 

Abendstimmung

 

Friedlich senkt sich die Dämmerung über Pushkar. Meditationsgesänge und Trommeln schallen wieder über den See, in dem sich die Lichter der Stadt spiegeln. Die kleinen Läden laden zum Stöbern und Handeln ein. Meine hier erworbene Hose habe ich immer noch, während die "besonders sorgfältig gefertigte" Tunika bereits am nächsten Tag Auflösungserscheinungen zeigte.

 

Irgendwie ist es so insgesamt mit Pushkar - Du musst Dich darauf einstellen automatisch ein bißchen "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" mitzukaufen, aber irgendwie hat das ganze doch seinen Charme und ist eine bunte Erinnerung, die ich auf keinen Fall missen möchte. 

 

Zahlen, Daten, Fakten

  • Pushkar ist eine Kleinstadt mit ca. 15.000 Einwohnern
  • Zur großen Kamelmesse im November wird zudem eine Zeltstadt für mind. 10.000 Besucher erstellt.
  • Such Dir einen ruhigen Ort zum Beobachten. Es ist wie immer in Indien - So viele Eindrücke brauchen Zeit zum Verdauen.
  • Es gibt 52 Ghats, und zu Vollmond finden um Mitternacht besondere Zeremonien statt. 

Sabine von Geckofootsteps hat aktuell zu einer Blogparade zum Thema "Reisepannen rund um den Globus" eingeladen und mich damit dazu gebracht endlich über Pushkar zu schreiben; auch wenn die Pannen eher klein und der eigenen Naivität geschuldet waren. Danke Dir dafür!

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Kommentare: 8
  • #1

    Sabine (Sonntag, 24 Januar 2016 19:46)

    Hallo Tabitha,

    danke für Deinen Beitrag zu meiner Blogparade. Ja, Indien scheint ja immer wieder für Überraschungen gut zu sein :-)

    Viele Grüße,
    Sabine

  • #2

    Bee (Montag, 25 Januar 2016 08:00)

    Deine Bilder bestätigen meine Vorstellungen von Indien, bunt und voll. Ich kann mir gut vorstellen, dass man dort teils über den Tisch gezogen wird - das kann einen fast überall treffen. Besonders gefallen mir die Bilder des Sees und der Straßen bei Nacht.

    Liebe Grüße, Bee

  • #3

    Markus (Montag, 25 Januar 2016 10:11)

    "bunt und voll", da schließe ich mich Bee direkt an ;-) Es ist beeindruckend zu sehen was Du schon gesehen hast... Ich bewundere das. Meinen Respekt! Und so kann ich Länder durch Deine Augen sehen. Das bereitet mir immer wieder aufs neue eine große Freude ;-)

  • #4

    Tabitha (Montag, 25 Januar 2016 20:50)

    @Sabine: Allerdings...Für Überraschungen und totale Verwirrung ;-)

    @Bee: Auf die Farben hatte ich mich auch am meisten gefreut. Incredible passt schon irgendwie. In vielerlei Hinsicht.

    @Markus: Vielen, vielen Dank!!! Irgendwie ruft die große weite Welt doch immer recht laut...

  • #5

    Philipp (Montag, 25 Januar 2016 23:38)

    Hey Tabitha,
    wow, 30 Euro für einige gute Wünsche, das ist wirklich viel.
    Hast Du einen Tipp, wie man sich solche ungefragten Dienste vom Leib halten kann?
    Was soll man tun, um das zu vermeiden?

    Ein Bekannter von mir stand in Indien vor seinem Hotel.
    Ein kleiner Junge rief ihn an: "Hey Mr, look! Look!".
    Er zeigte auf seine kleine Schwester, die einen Handstand machte und noch andere Kunststücke.
    Dann verlangte der Kleine Geld für die Show.
    Ein Hotelangestellter hat den Jungen dann zurechtgewiesen und es gab kein Geld.
    Verstehen kann man's ja: In Indien ist die Armut groß.
    LG,
    Philipp

  • #6

    Tabitha (Dienstag, 26 Januar 2016 19:54)

    Hey Philipp,
    eine sehr gute Frage! Darauf, dass man bettelnden Kindern nichts geben soll, war ich vorbereitet. Obwohl es trotzdem hart war. Entweder man lehnt die "Dienstleistungen" vehement ab oder man setzt sich ein kleines Limit und hält dann die Diskussionen mit einem Lächeln aus. Auf jeden Fall hilft es das Vorgehen vorher zu kennen.
    Viele Grüße, Tabitha

  • #7

    Christine (Freitag, 29 Januar 2016 11:41)

    Haha, oh Mann. Also diese Menschen verstehen das mit dem Verkaufen aber... mir erging das mal auf Bali so. Man war zwar wirklich gewarnt und fand Hinweise dazu echt in jedem Reiseführer. Wir waren auch recht vorsichtig, aber es war zum Teil schon fast unmöglich unserer Fahrer davon zu überzeugen, dass wir jetzt nicht zu einem Holzschnitzer fahren möchten, sondern bitte gleich dahin, wo wir hin wollten... schrecklich! ^^

  • #8

    Tabitha (Sonntag, 31 Januar 2016 15:54)

    Liebe Christine! Oh ja, ich glaube es fällt uns ziemlich schwer die richtige Waage zwischen Höflichkeit und Klarstellung zu treffen - und trotzdem verstanden zu werden. So kam ich auch zu dem Sari, der jetzt in der hintersten Ecke des Schranks liegt ;-)