Lost in Hanoi

Roller Mopeds und das Chaos von Hanois Altstadt
Altstadt Hanoi


"Verlaufe Dich in den Gassen der Altstadt von Hanoi" sagt der Reiseführer. 

"So ein Klischee; das geht doch heutzutage kaum noch" denke ich.

...Das war vor Bia Hoi... 

Aber fangen wir von Anfang an. Der Flieger aus Da Nhang landet pünktlich am frühen Morgen in Hanoi.

Auf dem Weg vom Flughafen in die Altstadt sauge ich die Eindrücke in mich auf. Emsiges Gewusel, Unmengen an Rollern und an jeder Ecke etwas zu essen.

Altstadt

Nachdem wir unser Gepäck im Hotel abgestellt haben, wollen wir uns auch direkt Hineinstürzen. Es ist heiß; so um die 40 Grad. In den kleinen Altstadtgassen erhält das Auge eine Farbexplosion nach der anderen. Aus der Historie heraus hat jede Straße einen Verkaufsschwerpunkt, der auch den Namen dieser bestimmt. So werden einen Straßenzug entlang Blumen, in der nächsten Straße Spielzeug und dann Metallwaren aller Art verkauft. Man kommt an der Gasse der Seidenstoffe entlang genauso wie an Hüten und um die nächste Ecke an Baustoffen, Bambus und Schuhen. Verlaufen haben wir uns jedoch (noch) nicht...

 


Essen ist wichtig in Vietnam. Man kann sich sehr lange damit beschäftigen. Genauso groß ist auch das Angebot an Imbissen und Essgelegenheiten. Meist sind es kleine Garküchen und manchmal wird auch nur ein kleiner Kohlegrill auf die Straße gestellt.

Dazu sitzt man an winzigen Tischen auf noch winzigeren Plasikstühlen. Und es schmeckt! Vietnam ist voller Geschmacks-highlights. Wortwörtlich an jeder Ecke. Wir entscheiden uns für eine kleine Straßengarküche an der sich bereits eine Schlange aus Einheimischen gebildet hat und werden nicht enttäuscht. Dazu das erste kühle Bier. Wie gesagt: Es ist sehr heiß!


Regierungsviertel

Direkt an die Altstadt grenzt der Hoan-Kiem-See mit seiner hübschen japanischen Brücke. Morgens sollen sich hier Heerscharen an Menschen zu morgendlichen Thai-Chi-Übungen treffen. Von hier aus gehen wir weiter in Richtung Regierungsviertel; vorbei an der Lenin-Gedenkstatue und verschiedenen Botschaften bis zum Ho-Chi-Minh-Mausoleum. Im quirligen Vietnam vergisst man oft, dass hier der Kommunismus herrscht; auf diesem Rundgang wird es doch wieder präsent.

Die Gegend hier ist wesentlich ruhiger mit wesentlich weniger Rollern als im Rest von Hanoi. Und irgendwie gibt es auch nur wenige Tapfere (oder Dumme - liegt im Auge des Betrachters), die diese Wege um die Mittagszeit laufen. 


Literaturtempel


Auf dem Rückweg liegt der Literaturtempel - eine Oase. Nicht nur, dass man in den Gärten nichts vom Verkehrschaos draußen mitbekommt. Nein, es gibt schattige Ecken, ein wenig Grün und im Tempel selbst sogar Ventilatoren. Der Tempel in traditionell vietnamesischer Architektur ist Konfuzius gewidmet und es gibt sogar den Teich der "Quelle himmlischer Klarheit".

Ein sehr friedlicher Ort. 

Und ein Ort für die große Schulabschluss-Foto-Session schlechthin. 

Das die meisten Asiaten uns in Selfies und Posing weit überlegen sind, haben wir schon überall auf der Welt gelernt. Auch hier wieder! Wir hätten noch stundenlang zusehen können, nur der Durst trieb uns weiter...


Bia Hoi


Hatte ich bereits die unendliche Hitze erwähnt? In einem Bericht, den ich vor der Reise gelesen hatte, erzählte eine Frau, dass ihr Nagellack geschmolzen sei. Jetzt wunderte mich das nicht mehr. Zum Glück ist Hanoi auch die Bia Hoi-Hauptstadt des Landes. Hierbei handelt es sich um ein leichtes Pils, welches "aus kommunistischer Solidarität von den Tschechen eingeführt wurde" (Zitat Reiseführer Ende). Der Preis liegt bei 30 bis 60 Cent pro Glas.

Wir fanden einen kleinen Laden, wo wir auf den winzigen Plasikstühlen sogar den Hauch eines Ventilators erahnen konnten. Das erste Bia Hoi erschien wie ein paradiesischer Segen. Das zweite löschte den Durst. Beim dritten bemerkten wir wie gut man draußen die Rollermechaniker beobachten kann. Und das vierte tranken wir, weil es grad so gemütlich war und wir ja schon wirklich viel gelaufen waren. 

Irgendwie konnte keiner damit rechnen, dass sich die Wirkung in der knallenden Sonne auf der Straße verstärken würde. 

Und so verliefen wir uns doch noch. Und wurden um eine weitere Erfahrung reicher: Die Roller weichen einfach aus, wenn man (in diesem Fall leicht tranceartig) über die Straße geht. Ab jetzt kein Sprinten oder Abpassen mehr. Einfach gehen...



Nachdem wir unser Hotel dann doch wieder gefunden und einen kleinen späten Mittagsschlaf gemacht hatten,  ging die Sonne über Hanoi langsam unter. Später abends gab es die charakteristischen Gewitter, bei denen sich die gesamte Luftfeuchtigkeit des Tages donnernd entlädt. Und so fanden wir fast direkt gegenüber unser Lieblingsrestaurant in Hanoi, welches wir nach den Tagen in der Halong-Bucht auch sofort wieder aufsuchten: Bánh Xèo Zòn Hier gibt es kleine Reispfannkuchen, die mit Minze, Koriander und Salat in Reispapier gewickelt werden. Zum Schluß wird das ganze in traditionelle Sauce - je nach Geschmack mit Chili verstärkt - getunkt und schmeckt einfach nur grandios. Dazu noch ein Bia Hoi; na gut vielleicht zwei...

Gute Nacht Hanoi!!!


Sonnenuntergang über Hanoi
Sonnenuntergang über Hanoi

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Kommentare: 10
  • #1

    Neni (Montag, 07 Dezember 2015 18:08)

    Was für ein schöner Ort. Der Literaturtempel klingt toll, vor allem sind die Bilder dazu klasse.

  • #2

    Nora (Montag, 07 Dezember 2015 22:49)

    Liebe Tabitha, danke für deinen lieben Kommentar bei mir. So lerne ich dich und deinen Blog auch mal kennen. Bin echt beeindruckt von all euren Reisezielen. Sehr interessant zu lesen, ich werde also wiederkommen. Am besten finde ich das Schulabschluss-Foto.
    LG Nora

  • #3

    Christine (Dienstag, 08 Dezember 2015 11:02)

    Ich finde man kann sich nirgends so toll und verrückt verlaufen wie in asiatischen Ländern. Das Chaos auf den Straßen ist für Europäer ja erst mal seltsam, aber auch total faszinierend...
    Ich habe meine Besuche in Asien bisher immer sehr genossen, das war einfach stets eine total andere Erfahrung.

  • #4

    Andersreisender (Mittwoch, 09 Dezember 2015 15:26)

    Ja... es gibt gottseidank noch Städte, wo man sich verlaufen kann. Mir ist das kürzlich in Venedig passiert. In Hanoi habe ich mich eigentlich - trotz Bia Hoi - ganz gut zurecht gefunden. Ich denke gerne an die Zeit dort zurück. An die vielen Eindrücke und das Essen. :-)

  • #5

    Tabitha (Mittwoch, 09 Dezember 2015 20:17)

    @Neni: Vielen Dank! Ich freue mich jedes Mal sehr von Dir zu lesen!

    @Nora: Über das Kompliment von einem Foto-Profi freue ich mich besonders. Und ich werde Dich auch auf jeden Fall wieder besuchen.

    @Christine: Was ich an Asien so liebe, ist, dass es ganz anders aber trotzdem relativ sicher ist. So kann man sich richtig auf das Chaos einlassen.

    @Andersreisender: Das Essen war wirklich genial. Und Venedig wäre auch mal wieder eine schöne Sache...

  • #6

    Brigitte (Freitag, 11 Dezember 2015 09:24)

    Ein toller Artikel! Ich war auch kürzlich in Hanoi und liebe das Gewusel auf den Straßen und die tollen Shops und das leckere Streetfood. Jetzt hätte ich doch glatt Lust, wieder einmal nach Asien zu reisen - vor allem bei dem Regenwetter hier in Deutschland.

  • #7

    Tabitha (Freitag, 11 Dezember 2015 21:38)

    Liebe Brigitte, ich würde sofort wieder mitkommen. Lieber 40 Grad als das Schmuddelwetter gerade...

  • #8

    Helga (Donnerstag, 25 Februar 2016 21:16)

    schöne Fotos. Endlich eine Reisebloggerin, die auch gute Menschen-Fotos präsentiert und nicht nur Gebäude :) kompliment

  • #9

    Kaja (Sonntag, 13 März 2016 14:59)

    Liebe Tabitha,

    ein toller Artikel! Wir überlegen gerade ob wir im Sommerurlaub einen Stop in Hanoi oder Ho Chi Minh City einlegen sollen. Ich tendiere etwas zu Hanoi und dein Bericht hat mein Gefühl noch weiter bestärkt. Danke dafür!
    Liebe Grüße,
    Kaja

  • #10

    Tabitha (Sonntag, 27 März 2016 13:45)

    @Helga: Oft ist man ja viel zu höflich dafür, aber hier bot es sich irgendwie so an...

    @Kaja: das freut mich sehr. Ich war zwar nur in Hanoi, habe aber gehört, dass es auf jeden Fall noch ein bisschen mehr Tradition enthalten soll. Und wir haben uns total wohl gefühlt.